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"Auf anderen Wegen"

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"Auf anderen Wegen"
© P.Senft

Auf anderen Wegen

Seit gut einem Jahr verläuft unser Leben in anderen Bahnen, als wir es bisher gewohnt waren. Wir leben mit vielen Einschränkungen, darunter besonders schmerzlich die Kontaktsperre. Kein Zusammentreffen im Freundeskreis, kein Opern-, Theater- oder Restaurantbesuch, kein spontanes Treffen am Weinprobierstand....

Wir Menschen sind aber soziale Wesen, brauchen das Miteinander, das Zusammensein mit anderen – und das nicht nur virtuell, sondern leibhaftig. Deshalb bin ich froh und dankbar, dass wir uns in all diesen Monaten mit einer Person eines anderen Haushaltes begegnen konnten, natürlich mit dem gebotenen Abstand. Ich habe mir in dieser Zeit angewöhnt, mich mit einem Freund, einer Freundin zu einem Spaziergang zu treffen und dabei bewusst Wege zu gehen, die ich noch nicht kenne. Es tut Körper, Geist und Seele gut, in Gottes schöner Schöpfung, hier bei uns am Rhein, in den Weinbergen und in den Wäldern um Wiesbaden, mit einem vertrauten Menschen unterwegs zu sein.

Immer wieder kommt mir im Nachgang das Evangelium von den Emmaus-Jüngern (Lukas 24,13-35) in den Sinn. Nach dem Tod Jesu begeben sich zwei seiner Jünger auf den Weg nach Emmaus. Das Zusammensein mit Jesus hat sie verändert. Dieser Jesus hat ihrer Sehnsucht eine Stimme gegeben. Dieser Jesus hat neue Gedanken und Kräfte in ihnen freigesetzt. Dieser Jesus hat sie in eine neue geschwisterliche Gemeinschaft geführt. Er hat ihr Leben verändert, ihre Gottesbeziehung erneuert und ihnen neue Horizonte eröffnet.

Umso größer ist ihre Enttäuschung, als mit dem Tod Jesu dies alles aus zu sein scheint. So machen sie sich traurig auf den Weg nach Hause und tauschen ihre Gedanken aus. Doch ein Fremder gesellt sich zu ihnen: Es ist Jesus, den sie aber nicht erkennen. Mit diesem Dritten kommt die entscheidende Wende für die beiden. In diesem Menschen begegnet ihnen jemand, bei dem sie all das loswerden können, was ihnen auf dem Herzen liegt. Mit Hilfe dieses Menschen entdecken sie aber auch, was sie vermissen. Sie erkennen neu, was ihnen wirklich wichtig ist, was die Grundlage ihres Lebens und Glaubens ist. Nach und nach eröffnet ihnen dieser Begleiter eine neue Sichtweise, einen neuen Aufbruch.

Solche Schlüsselsituationen können uns Menschen die Augen öffnen. Erst in der Rückschau erkennen die Jünger, dass es Jesus war, der sie von Anfang an begleitet und geführt hat. Oft erst im Rückblick auf schwierige Zeiten und Situationen erkennen wir, dass uns ein anderer begleitet und geführt hat. Wir Christen sehen darin Jesus, unseren Herrn.

Vielleicht wird uns gerade dies in dieser von Corona beherrschten schwierigen und zugleich doch österlichen Zeit geschenkt: dass wir mit Menschen unterwegs sind, die uns eine hoffnungsvolle Sichtweise eröffnen, und dass wir spüren und erkennen, dass der Herr mit uns auf dem Weg ist und uns führt und begleitet und uns stützt und stärkt. Er, der selbst Leid und Tod erfahren hat und der in seiner Auferstehung, die wir an Ostern feiern, den Tod besiegt hat. Das wünsche ich uns von Herzen.

 

In diesem Sinne Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes und Mut machendes Osterfest.

 

Ihr Bezirksdekan Ralph Senft

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