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28.04.2017

Den Schatz in die Hand nehmen

Bischof besucht den katholischen Bezirk Rheingau

Die Ehrengarde Oestrich geleitete Bischof Georg Bätzing zum Gottesdienst in der Geisenheimer Pfarrkirche Heilig Kreuz. (Fotos: H. Matena/Bistum Limburg)

Die Ehrengarde Oestrich geleitete Bischof Georg Bätzing zum Gottesdienst in der Geisenheimer Pfarrkirche Heilig Kreuz. (Fotos: H. Matena/Bistum Limburg)

GEISENHEIM/ELTVILLE.- "Nach sieben Monaten im Amt kann ich sagen: Bischof von Limburg und damit auch Bischof des Rheingau zu sein, das ist wirklich eine Freude", so Bischof Dr. Georg Bätzing vor etwa 500 Gottesdienstbesuchern am Donnerstag, 27. April, in der Geisenheimer Pfarrkirche Heilig Kreuz. Zum Abschluss seines Besuches im Rheingau feierte er hier ein Pontifikalamt. Am Vormittag war der Bischof zu Gast im Bethanien Kinderdorf in Eltville und beim Malteser Hilfsdienst in Oestrich-Winkel. Ebenfalls traf er sich an diesem Tag mit hauptamtlichen Pastoralen Mitarbeitern des Bezirks sowie den Vertretern des Bezirkssynodalrates und der Pfarrgemeinderäte.

Ostern ist mehr als nur ein langes Wochenende

Bätzing rief in seiner Predigt dazu auf, die christlichen Traditionen, den "Schatz, den wir empfangen haben von unseren Müttern und Vätern, in die Hand zu nehmen." Besonders der Rheingau sei durch das christliche Erbe geprägt - nicht nur durch die zahlreichen Ordensgemeinschaften, die ebenfalls im Gottesdienst vertreten waren. "Das ist unser Auftrag. Wir sind gefragt, den Glauben, den wir unser Eigen nennen, auf den wir stolz sind, der uns trägt, in so vielen schwierigen und fröhlichen Situationen, weiter zu schenken, indem wir ihn froh und dankbar bezeugen."

Für viele Menschen sei Ostern ein Tag. "Ein Festtag, ein Feiertag, ein langes Wochenende und vieles, vieles mehr, was alles gut ist. Für uns ist Ostern mehr. Ein Anfang. Ein Anfang, der mitgeht." Der Bischof verglich die Bedeutung von Ostern mit der Bedeutung des Rheins für die Region. "Ein Strom, der so viel mitbringt an Schätzen, an Bewegung, an Handel, an Begegnung." So sei auch Ostern für die Christen.

"Wir leben ja in einer Zeit, in der gibt es keine nicht-religiösen Gründe, einem Glauben zu folgen", zitierte Bätzing einen Soziologen. "Wir kommen aus Zeiten, da gab es viele gute Gründe, zur Kirche zu gehen: Weil sie so groß war, weil sie die Mehrheit hatte, weil sie viele Einrichtungen hatte. Doch auch im Rheingau, so habe ich eben gehört, ist nicht mehr die Hälfte katholisch." Daher stimme er dem Ausspruch zu. "Es gibt nur noch Gründe der persönlichen, inneren Überzeugung."

Der Bischof sei dankbar dafür. Es sei die freie Entscheidung eines jeden, sich zum christlichen Glauben zu bekennen. "Das gibt unserer Kirche, das gibt unserem Glauben eine neue Kraft, einen neuen Strom." Dies ermögliche eine neue Bewegung. "So wollen wir miteinander den Glauben leben. Das große Gut, den Schatz der Tradition, der hier im Rheingau lebt, gestalten, in die Hand nehmen, in die Zukunft entwickeln." Nicht verdrossen, sondern fröhlich und dankbar sollten Christen in die Zukunft gehen.

Neues probieren - Altes gegebenenfalls emeritieren

Gemeinsam mit den hauptamtlichen Pastoralen Mitarbeitern diskutierte der Bischof am Nachmittag die Situation der Pastoral im Rheingau. Grundlage war die Studie "Volkskirche Rheingau - wo geht es hin?", die Professor Michael Ebertz (Katholische Hochschule Freiburg) in den Jahren 2015 und 2016 durchgeführt hatte. In der Studie wurde die Außen- und Innenperspektive der Kirche im Rheingau erfasst und Handlungsempfehlungen für pastorales Handeln formuliert.

Die Seelsorger des Bezirks und der Bischof erörterten Bruchlinien in der Pastoral. Bezirksdekan Georg Franz fasste zusammen: "Wir haben in der Pastoral viele Fragezeichen. Manche müssen wir aushalten. Aber wir müssen den Mut haben, Dinge auszuprobieren und vorwärts zu gehen." Auch der Bischof bekräftigte: "Wir müssen dran bleiben." Er habe vieles gehört, was Mut mache und forderte dazu auf, auch Neues zu probieren: "Und vielleicht müssen wir manches Alte emeritieren, also in Ehren verabschieden."

Engagement im Rheingau

Schwester Judith, Priorin des Konvents im Kinderdorf, führte den Bischof durch das Bethanien Kinderdorf: "Wir haben Kinder mir ganz schweren Verletzungen, das ist schon erstaunlich, dass sie ihren Weg zu Gott finden", erklärte die Dominikanerin. Mehr als 70 Kinder leben dort, zudem gibt es eine öffentliche Kindertagesstätte mit 40 Plätzen.

Die Malteser in Oestrich-Winkel zeigten dem Bischof die Hausnotrufzentrale. Über einen Notrufknopf können Hilfsbedürftige an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr direkten Kontakt zur Notrufzentrale herstellen. So ermöglichen die Malteser das Wohnen in häuslicher Umgebung trotz Beeinträchtigung, Alter oder Krankheit. Bätzing war beeindruckt von der Arbeit der Malteser. Die Mitarbeiter zeigten höchsten Einsatz bei dieser vertrauensvollen Aufgabe. Auch würdigte er den Einsatz der Malteser in der Flüchtlingskrise. Mit Jugendlichen unterhielt er sich über den Stellenwert des Ehrenamts in der Lebenswelt der Heranwachsenden.

Die Kennenlerntour des Bischofs geht weiter. Am Donnerstag, 11. Mai, besucht er den Bezirk Main-Taunus. Um 18 Uhr feiert er den Gottesdienst in St. Gallus in Flörsheim. Weitere Informationen unter www.bistumlimburg.de (hm)

Die Predigt von Bischof Georg zum nachhören

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